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Hannover, HAZ - Ressort KULTUR, 25.09.2010

„Die Schule hat sich geändert“

Große Ereignisse vertragen große Worte. Darum kann Ernst Neuhäuser vom Landesverband niedersächsischer Musikschule ruhig einmal festhalten, dass nichts mehr ist, wie es war: „Die Schule hat sich geändert“, sagte er gestern vor Beginn des ersten niedersächsischen Kooperationkongresses in Hannover, und meinte damit die neue Vielfalt an musikalischen Zusatzangeboten in Schulen und die Offenheit gegenüber Angeboten, die von außen an die Schule herangetragen werden. „Früher war man mit der Geige unter dem Arm automatisch ein Exot auf dem Schulhof“, sagte Neuhäuser, „bald wird das die Normalität sein.“

Was sich zunächst unspektakulär anhört, ist tatsächlich eine stille Revolution: Nach Jahrzehnten, in denen eigenes Singen und Musizieren regelrecht verpönt waren, steht genau das heute so hoch im Kurs wie nie: Denn nicht nur eine Elite wird zum Musikmachen angespornt, sondern das ganze Land. Musik ist nicht länger nur Musik, sondern auch ein wichtiges Mittel zur Integration von Migranten. Sie soll helfen, die Leistungsbereitschaft und die Sozialkompetenz der Schüler zu stärken, und ihnen helfen, am öffentlichem Kulturleben teilzuhaben.
Vor allem darum lässt sich Niedersachsen sein bundesweit einmaliges Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik“ einiges kosten: In diesem Jahr stehen 1,5 Millionen Euro für die Zusammenarbeit von Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen bereit. Bis 2016 gibt es Jahr für Jahr mehr Geld – am Ende sollen 80 Prozent der niedersächsischen Schüler in den Genuss zusätzlicher, nachhaltiger Musikangebote an den Schulen gekommen sein. „Das Programm ist Ergänzung zum Schulunterricht, kein Ersatz“, sagte Annette Schwandner vom Kultur- und Wissenschaftsministerium, das „Wir machen die Musik“ trägt.

Bei dem Kooperationskongress in Hannover wollen Musiker, Lehrer und Wissenschaftler an diesem Wochenende darüber beraten, wie sie die hohen Anforderungen, die in den kommenden Jahren gestellt werden, gut bewältigen können. Dass es bereits jetzt gelingt, ist am Sonntag im ausverkauften NDR-Sendesaal zu erleben: Dort präsentieren 250 Schülern aus ganz Niedersachsen zusammen mit den Profis der Radiophilharmonie, wie gut es klingen kann, wenn die Dinge sich ändern.

von: Stefan Arndt