
Arnswaldtstraße 28
30159 Hannover
Telefon 0511 - 159 19
Telefax 0511 - 159 01
„Ta-ta-ta-ta, ta-o-a!“ Lautmalerisch zählt Florian Salzmann den Takt mit. 27 Kinder sitzen um den Musikschullehrer und zupfen an den Saiten der Gitarren oder Mandolinen. Es ist Donnerstag, 12 Uhr, und in Raum H 35 der Grundschule Wettbergen probt die Zupfer-AG. Für Leon, Luca, Laura und die anderen Kinder der zweiten Klasse ist es der Unterricht nach dem Unterricht: Die städtische Musikschule bietet im Anschluss an den regulären Stundenplan in der Schule Zupfunterricht an. Mussten früher die Kinder zur Musikschule kommen, kommt die Musikschule jetzt zu den Kindern.
„Dadurch, dass der Leistungsdruck in den Schulen immer größer und das Ganztagsangebot ausgeweitet wird, haben die Jungen und Mädchen in den Nachmittagsstunden immer weniger Zeit für Musik“, erklärt der Leiter der städtischen Musikschule, Ulrich Beck. Da zudem in vielen Familien beide Elternteile arbeiteten, werde auch ihr Freiraum immer geringer, den Nachwuchs zur Musikstunde zu bringen. Ist der Unterricht jedoch gleich im Anschluss an die Schule, fällt die Fahrerei weg. „Wir versuchen seit geraumer Zeit, mit neuen Projekten auf die veränderten Lebensgewohnheiten zu reagieren“, erklärt Beck. Eines dieser Angebote bezieht sich auf die sogenannten „Randstunden“, in denen die Musikschule Projekte anbietet – so wie in Wettbergen. Zunächst hatte es dort sogenannten Tandemunterricht gegeben, in dem die Musiklehrerin der Grundschule und die der Musikschule gemeinsam unterrichteten. „Das hatte für uns zum einen den Vorteil, dass Musikschullehrer sehr viel höher qualifiziert sind“, erklärt die Leiterin der Grundschule, Dorothea Kling. Zum anderen könnten zwei Lehrerinnen Kinder besser für Instrumente begeistern als eine.
In Wettbergen kam das Angebot an: Von 60 Kindern, die Tandemunterricht hatten, sind nun 27 in der Zupfer-AG, die Florian Salzmann und Viola Beck betreuen. „Durch dieses Angebot erreichen wir auch Kinder, die früher wahrscheinlich nie zum Musikunterricht gekommen wären“, sagt Beck. Der Unterricht der AG ist zwar nicht kostenlos – 28 Euro müssen die Eltern im Monat zahlen. – „aber es gilt die Sozialstaffel“, erklärt Beck. Die Gebühr für Familien mit wenig Einkommen könnte bis auf elf Euro reduziert werden. „Musikunterricht findet keineswegs nur in gutbürgerlichen Kreisen statt. Das hat sich bereits gewandelt.“ Das hat auch Florian Salzmann beobachtet: „Die Hälfte der Kinder wäre sonst bestimmt nicht zur Musikschule gegangen.“ Der Musikunterricht direkt nach der Schule sei für viele daher nicht nur eine Erleichterung, „sondern auch eine echte Chance.“
von: Heike Schmidt (HAZ)