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Wenn 130 Instrumentalisten ein riesiges Orchester bilden

Der 1. Niedersächsische Streicherklassentag verwandelte das Bad Pyrmonter Konzerthaus in eine riesige "Streicherwiese".

130 junge Streicher konzertieren in Bad Pyrmont

Montag, 24. Januar 2011

Wenn man sich bildlich und akustisch einmal vorstellt, wie 130 Kinder auf ihren Instrumenten üben, wie sie streichen, fiedeln und kratzen, von ohrenbetäubendem Rufen und Kreischen begleitet, wenn man sich ferner ausmalt, wie 260 Beine durch die Flure des Konzerthauses flitzen und wie das ganze Gewusel dann auf der Bühne sogar noch irgendwie zu einem Klangkörper gebändigt wird und richtige Musik erzeugt – dann hat man in etwa eine Vorstellung von dem, was am Wochenende im Pyrmonter Kulturtempel los war.

Zum ersten Niedersächsischen Streicherklassentag, ausgerichtet von der Pyrmonter Musikschule, war der Streicher-Nachwuchs aus sechs Grundschulen und zwei Gymnasien des Landes mit Eltern, Pädagogen und Instrumenten angereist. Oben im Foyer gab es letzte Anweisungen von den Musiklehrern, Noten wurden geordnet, Violinen gestimmt und Celli gestemmt. „Nein, ich habe kein halbes Cello, dann hätte man es ja durchsägen müssen“, antwortet empört der siebenjährige Jens aus Wunstorf auf eine entsprechende Frage. Doch die Jüngsten haben wie er natürlich kleinere Instrumente, die nur die Hälfte oder sogar ein Viertel der originalgroßen Violinen, Celli und Kontrabässe ausmachen.

Dass manche Kinder erst seit einem halben Jahr spielen und schon bei einer solchen Großveranstaltung wie selbstverständlich mitmachen, nötigt auch Bad Pyrmonts Bürgermeisterin Elke Christina Roeder viel Respekt ab. Seit acht Jahren seien die von Pädagogen der Musikschule betreuten Streicherklassen ein fester Bestandteil des Unterrichts in den Pyrmonter Schulen, und der Erfolg zeige sich unter anderem durch diese landesweite Veranstaltung, sagte sie zur Begrüßung. „Einen schöneren Rahmen als das Konzerthaus hätte man sich dafür kaum wünschen können“, befand Hans Walter vom Niedersächsischen Kultusministerium, unter dessen Schirmherrschaft der Tag stand. Bei den „Minikonzerten“ stellten sich die Streicherklassen mit einem erarbeitetem Programm vor.

Mit bewundernswerter Geduld leitete Musikschuldirektor Arndt Jubal Mehring die erste gemeinsame Probe aller Mitwirkenden auf der Bühne. Die von ihm komponierte „Streicherschmiede op. 23“ für zwei Soloviolinen, Streicherklassen und Schlagwerk erlebte als Auftragswerk zu dieser landesweiten Veranstaltung ihre Uraufführung. 130 Kinder bliesen auf die Saiten ihrer Instrumente, entfachten so das ,,Feuer“ in der Introduktion, spielten dann das „Schmiede-Rondo“ mit ganzem Einsatz. „Super, ganz prima macht ihr das“, lobte der Komponist.

Als Solist wirkte neben Andreas Vogt (Schlagwerk) und Katharina Rundfeldt (Violine) der zehnjährige Kevin Plöger auf seiner Geige mit. Er spielt seit fünf Jahren und mag mit seinem Können manchen der Anfänger motiviert haben. So wie Maja und Viktoria, die beiden achtjährigen Freundinnen aus Bad Pyrmont, denen auch das oft eintönige Üben Spaß macht. „Ich habe mal ein Geigenkonzert gehört, da wollte ich unbedingt auch spielen“, erklärt Maja ihre Vorliebe für ihr Instrument. Leonard (9) aus Wunstorf mag besonders den tiefen Klang seines Kontrabasses, und Jordan (10) aus Hameln lernt seit fünf Jahren Cello, weil ihn sein Cousin darauf gebracht hat. „Es ist schon schwierig, macht aber Spaß“, sagt er.



von: Karin Heininger (DEWEZET)